Klar, dass wir bei unserem Südafrika-Besuch auch eine Safari machen wollen. Am größten und bekanntesten ist wohl der Krüger Nationalpark im Nordosten des Landes, der ist allerdings 1.900 km entfernt. Rund um Kapstadt gibt es verschiedene Safariparks, die man als Tagesgast besuchen kann.

Wir wollen ein authentisches Erlebnis mit weitläufigem Gebiet, in dem sich die Tiere frei bewegen. Dazu gehört auch, dass sich die Löwen nicht in einem extra abgesperrten Bereich befinden, wie das bei vielen Anbietern in der Nähe von Kapstadt der Fall ist. Wir haben uns daher für das Gondwana Game Reserve in der Nähe von Mossel Bay entschieden. Vier Autostunden von Kapstadt entfernt, geht es auf der N2 immer geradeaus. Die Straße ist in einem sehr guten Zustand, links und rechts liegen Felder und hin und wieder kommt man an Orten mit Tankstellen und kleinen Läden vorbei.

Auf dem Weg zur Safari

Auf der N2 Richtung Mossel Bay

Kurz vor Mossel Bay biegen wir links auf die R327 und folgen der Beschilderung zum Gondwana Game Reserve. Ab hier beginnt eine unbefestigte Straße, der wir einige Kilometer folgen, um den Einlass zu erreichen. Von dort sind es dann nochmals ungefähr 7 km bis zur Rezeption und unserer Unterkunft. Die Größe des Wildschutzgebietes lässt sich also schon erahnen. Auf der Fahrt laufen uns die ersten Zebras über den Weg!

Gondwana Game Reserve

Begrüßungs-Zebras

Beim Einchecken werden wir mit einer heißen Schokolade begrüßt. 🙂 Auf dem Weg von der Rezeption zum Lunch können wir einen ersten Blick auf die außergewöhnliche Anlage werfen. Bei afrikanischen Köstlichkeiten stärken wir uns für die erste Safari.

Gondwana Game Reserve

Lunch

Danach können wir unser Zimmer oder besser gesagt unsere Kwena-Hütte beziehen. Die runden Häuschen haben ein Kuppel-Reetdach und sind originell eingerichtet. Das Bett nimmt den Hauptplatz ein und zeigt zur riesigen Fensterfront. Es gibt eine gemütliche Kaminecke. Im Badezimmer kann man von der Badewanne aus ebenfalls die wundervolle Aussicht genießen. Die einzelnen Hütten stehen weit auseinander und sind durch Grashügel getrennt.

Unsere Kwena Hütte

Die erste Safari steht an, aber zuvor gibt es noch einen Afternoon Tea mit Kaffee und Kuchen. Wir sehen das erste wilde Tier – eine kleine Leoparden-Schildkröte. 😉

Afternoon-Tea

Leoparden-Schildkröte

Wir lernen unseren Ranger für die nächsten drei Tage kennen. Brian wird uns in insgesamt 4 Safaridrives durch das 11600 Hektar große Gelände führen. Jetzt bekommt man erst einmal mit, wie viele Gäste anwesend sind und mich beschleicht ein bisschen die Angst, dass wir uns alle in die Range Rover quetschen müssen. Das ist völlig unbegründet. Letztendlich sind in unserer Gruppe 3 Paare und wir haben jeweils einen Platz in der Mitte frei. Perfekt!

Ranger Brian

Und dann gehts endlich los! Es dauert auch nicht lange, da entdecken wir die ersten Wasserböcke und Kudus.

Wasserböcke

Kudu

Bei einer Safari in Afrika ist immer von den Big 5 die Rede: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard! Es ist nicht in allen Safari-Camps möglich, die Big 5 zu sehen. Im Gondwana Game Reserve gibt es all diese Tiere, nur finden muss man sie. Brian vermutet die Leoparden in der Nähe einer gerissenen Antilope, aber wir werden leider nicht fündig.

Dafür steuern wir einen Tümpel an und treffen auf das gefährlichste Tier Afrikas. Das Flusspferd! Das hätte ich jetzt auch nicht vermutet, aber Nilpferde scheuen keine Konfrontation und wenn man zwischen sie und ihr heißgeliebtes Wasser gerät, wird man einfach plattgetrampelt. Die Flusspferde hier im Game Reserve gehen ihrer Hauptbeschäftigung nach. Sie liegen im Wasser und tauchen nur ab und an mit Augen und Nase auf.

Flusspferde

Flusspferd

Und dann treffen wir auf einen der Big 5, das Nashorn! Die stehen keine 5 Meter von uns weg, laufen beim Fressen um unseren Jeep und lassen sich so gar nicht stören. Wahnsinn!

Nashörner

Nashorn

Während der dreistündigen Tour bekommen wir von Ranger Brian massenweise Infos zu den Tieren. Auf einer Wiese neben Zebras und Impalas machen wir ein kleines Picknick und genießen den Sonnenuntergang! Wirklich einmalig!

Zebras

Picknick während der Safari

Sonnenuntergang im Gondwana Game Reserve

Zurück im Camp – das jetzt mit Laternen schön beleuchtet ist – geht es auch gleich zum Dinner.

Nach dem Essen werden wir zu unserer Hütte gebracht. Alleine darf man hier abends nicht herumlaufen. Es ist schon vorgekommen, dass es sich die Löwen auf dem Parkplatz und die Elefanten vor dem Restaurant gemütlich gemacht haben. Auf dem Bett liegen Betthupferl und Gondwana Lesezeichen mit Infos zu den Tieren. Für mich als Leseratte eine besonders schönes Andenken. 🙂

Dann heißt es auch schon schlafen gehen, denn am nächsten Morgen erfolgt um 5:30 Uhr der Wake-up Call! Eine halbe Stunde später und mit warmen Kaffee im Bauch brechen wir zur zweiten Safari auf.

Morgenstimmung

Über Funk erfährt Brian, wo sich die Elefanten gerade aufhalten. Auf dem Weg dorthin laufen uns Elanantilopen und Zebras über den Weg.

Safari

Elanantilopen

Auf einer Bergkuppe entdecken wir eine Elefantenkuh. Brian ist bemüht, uns sehr nah an die Tiere heranzubringen. Bei seinem Versuch, eine steile und feuchte Schneise hochzufahren, streikt dann aber selbst der gute alte Range Rover. Wir haben aber Glück, die Elefanten kommen ins Tal gelaufen. Mit dabei ist ein gerade einmal 2 Wochen altes Jungtier.

Elefanten

Elefantenkuh mit einem zwei Monate alten Jungen

 

Die Dickhäuter lassen sich gar nicht von uns stören, was uns die Möglichkeit gibt, sie ausgiebig zu beobachten. Wesentlich scheuer sind da die Giraffen, die wir als Nächstes ansteuern. In Südafrika sind die Giraffen relativ klein, weil sie sich von Büschen am Boden ernähren. In Kenia z.B. haben sie längere Hälse, weil sie ihr Futter in hohen Baumkronen suchen müssen. Nachdem sich die Tiere an uns gewöhnt haben, steigen wir aus dem Jeep und machen Kaffeepause. Das ist mit Abstand der besonderste Ort und die außergewöhnlichste Gesellschaft, die ich je beim Kaffeetrinken hatte. 🙂

Giraffen

Hi!

Zeit für einen Kaffee!

Mittlerweile kommt die Sonne raus und auch wenn sich eine Zeit lang keine Tiere zeigen, kann man einfach die wunderschöne Landschaft genießen. Es ist wirklich erstaunlich, wie weitläufig das Gelände ist. Nie sehen wir einen Zaun und nur sehr selten mal einen anderen Jeep.

Gondwana Game Reserve

Gondwana Game Reserve

Nach diesem frühmorgendlichen Abenteuer gibt es Frühstück mit frischen Eiern und leckeren Pancakes. Danach ruhen wir uns ein bisschen in unserer Hütte aus – 5:30 Uhr ist nicht ganz unsere Zeit. 😉

Entspannung pur!

Es wird noch richtig warm und so können wir nach dem Lunch sogar an den Pool gehen, der einen tollen Blick ins Tal bietet. Uns gehts gut! 🙂

Fish&Chips

Relaxen am Pool

Bei der Nachmittags-Safari „rächt“ sich unser Wunsch nach Naturbelassenheit. Drei Stunden lang suchen wir auf einer Fläche von mehr als 16.000 (!) Fußballfeldern vier Löwen. In den meisten Game Reserves werden die Löwen separat gehalten, weil sie die übrigen Tiere jagen. Das macht dann zwar das Auffinden leichter, hat aber auch etwas Zoo-Charakter. Im Gondwana Game Reserve greift man nicht in die Natur ein und nimmt dafür in Kauf, dass Löwen und Leoparden bis zu 150 Tiere pro Jahr reißen. Auch werden die Tiere hier nicht mit Futter angelockt. Und obwohl Brian der erfahrenste Ranger ist und mit uns etliche Extrarunden fährt, bleibt unsere Suche ergebnislos.

Dennoch treffen wir ein paar Wasserböcke, Impalas und sogar einen Wüstenluchs (Karakal) an. Während einer Pause erleben wir einen weiteren traumhaften Sonnenuntergang in dieser einzigartigen Natur mit ihren eindrucksvollen Bewohnern. Ranger Brian hat einen tollen Arbeitsplatz!

Impalas

Auf Safari im Gondwana Game Reserve

Zurück im Camp erwartet uns kein Dinner im Restaurant, sondern ein BBQ. Die Idee ist toll, nur leider sind wir von der Safari schon recht durchgefroren und es ist mittlerweile einfach zu kalt, um draußen zu sitzen. Also frösteln wir etwas beim Essen, haben aber mit unserer Gruppe eine Menge Spaß. Und dann heißt es in die Hütte und aufwärmen. Außerdem schnell ins Bett, denn um 5:30 Uhr haben wir unsere letzte Chance die restlichen 3 der Big Five zu sehen.

Als am nächsten Morgen der Wecker klingelt, ist es absolut nebelig. Wenn es gestern bei klarer Sicht schon nicht möglich war, die Löwen zu finden, dann halten wir es bei dem Neben für absolut unwahrscheinlich. Die Ranger erzählen, dass sie die Löwen gehört und damit eine Idee haben, in welcher Gegend sie sich aufhalten. Die Fahrzeuge schwärmen wieder aus und anhand eines Kadavers stellt Brian fest, dass die Löwen in der Nacht tatsächlich in diesem Gebiet waren. Dann kommt der ersehnte Funkspruch; die Löwen wurden unweit von uns entdeckt. Wir fahren ein kleines Stück und plötzlich taucht vor uns auf der Straße im Nebel majestätisch ein Löwe auf. WOW!

Löwe im Nebel

Wir folgen dem Löwen und es ist unglaublich wie nahe er dem offenen Fahrzeug und somit uns kommt. Da sind teilweise keine 2 Meter dazwischen. Brian erklärt uns, dass der Löwe uns in dem Fahrzeug als ein großes Tier wahrnimmt und uns deshalb nicht angreifen wird. Schon vor der ersten Safari hatte er uns darauf hingewiesen, dass wir niemals im Fahrzeug aufstehen sollen, weil die Tiere uns sonst entdecken würden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Löwe mir direkt in die Augen blickt und darüber nachdenkt, ob er noch Hunger hat. Intuitiv lehne ich mich immer mehr zurück. „Do you feel comfortable?“ fragt Brian immer wieder. Ähm nöö, ehrlich gesagt ist mir ziemlich mulmig zu Mute.

Löwe Crossing!

Ich seh dich!

Löwe

Ganz in der Nähe des Löwen entdecken wir dann auch die Löwin und die zwei 6 Monate alten Löwenkinder. Es ist fast unbeschreiblich, aus nächster Nähe zu erleben, wie die Löwenfamilie miteinander umgeht. Die Jungen schmiegen sich an die Mähne des Löwen und stupsen immer wieder die Mutter an.

Löwenfamilie

Löwenfamilie

Weil es mir an dieser Stelle ganz besonders schwer fällt, Bilder auszusortieren, gibt es hier noch eine Fotogalerie zu den majästetischen Raubkatzen:

Und hier noch ein kurzes Video:

 

Mit den Löwen haben wir nun insgesamt drei der Big 5 gesehen, fehlen noch Leopard und Büffel. Übrigens: Nicht wegen ihrer Größe werden diese Tiere Big 5 genannt, sondern weil sie besonders schwer zu jagen und gefährlich sind.

Danach fahren wir zu den Büffeln. Als einzige Tiere sind diese in einem separaten Teil untergebracht. Brian erklärt uns, dass Büffel unglaublich wertvolle Tiere sind und bis zu 17 Millionen Rand (1,5 Mio Euro) kosten können. Es kann also nicht riskiert werden, dass die Büffel von den Löwen gerissen werden. Selbst dieser extra Bereich ist noch so weitläufig, dass die Tiere sich verstecken können. Und der immer stärker werdende Nebel tut sein übriges. Wir finden die Büffel leider nicht.

Als wir uns wieder auf dem Rückweg zu den Löwen befinden, erhält Brian die Info, dass diese sich in den Busch verzogen haben und nicht mehr zu sehen sind. Mittlerweile hat der Nebel sogar noch zugelegt und es hat zu regnen begonnen. Unser Ranger ist wirklich unglaublich bemüht, uns noch einen schönen Abschluss zu machen. Er fährt eine Extrarunde in ein Gebiet wo sich Elefanten aufhalten sollen. Aber leider sind auch die durch den Nebel nicht zu finden. Wir fahren nochmal zu den Hippos und entdecken noch ein paar Äffchen.

Happy Hippo

Äffchen

Damit ist unsere vierte und letzte Safari innerhalb von 3 Tagen vorüber. Wir verabschieden uns herzlich von Brian. Er hat uns in insgesamt über 12 Stunden durchs Gondwana Game Reserve geführt, Zebras, Nashörner, Flusspferde, verschiedene Antilopen, Elefanten, Giraffen, Affen und Löwen gezeigt und dank seiner zahlreichen Informationen verlassen wir das Camp wesentlich schlauer.

Noch während des Frühstücks zieht der Himmel auf und ein herrlicher Tag beginnt. Weil wir uns von der wundervollen Natur und Aussicht noch nicht ganz verabschieden können, sitze ich jetzt noch hier auf der Terasse und schreibe meinen Bericht.

Gleich geht es wieder zurück nach Kapstadt und somit kommt unser unvergessliches Safari-Abenteuer zu einem Ende! Auf dem Weg aus dem Game Reserve verabschieden sich noch ein Impala und ein Zebra von uns. 🙂

Impala

Tschüss!

Hier noch ein paar Bilder vom Gondwana Game Reserve in einer Fotogalerie:

Während wir auf der N2 Richtung Kapstadt unseren tierischen Erlebnissen nachhängen, stellt sich plötzlich vor uns auf der Fahrbahn ein Lkw quer und rutscht auf uns zu. Wir schaffen es, auszuweichen und glücklicherweise wird niemand verletzt. Puh! Da sind wir heute morgen ganz knapp dem Löwen entkommen und jetzt das.

Unfall auf der N2

Wir entscheiden uns spontan einen kleinen Umweg zum Kap Agulhas zu machen. Am südlichsten Punkt Afrikas treffen der Indische und Atlantische Ozean aufeinander. Mit blauem Himmel, riesigen Wellen und felsiger Küste ergeben sich hier einige schöne Fotomotive.

Kap Agulhas

Kap Agulhas

Kap Agulhas

Leuchtturm Kap Agulhas

Auf dem Rückweg kehren wir in Bredasdorp, 30 Minuten von Agulhas entfernt, im Restaurant Julians ein. Ein echter Geheimtipp! Das Essen ist ausgezeichnet und angrenzend findet man einen riesigen Dekoladen.

Danke fürs Lesen! Mehr über Südafrika und Kapstadt erfahrt ihr in den weiteren Reiseberichten:

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2 Kommentare

  1. Wow 😀
    Was für ein Abenteuer! Abgesehen von dem LKW am Schluss möchte ich bitte auch so viel erleben. Wir sind gerade am planen.
    Klingt also ganz so, als würdest du den Trip dorthin wärmstens empfehlen? 😀
    Wie viele Tage würdest du denn empfehlen?

    Liebe Grüße
    Carmen (travivas.de)

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