Im ersten Teil haben wir Kapstadts Märkte besucht, sind an der Waterfront langgeschlendert und haben tolle Strände gesehen. Jetzt beginnt der harte Touri-Stoff. 😉

Los gehts mit den aus vielen Städten bekannten Hop on Hop off Sightseeing Bussen. Eigentlich meide ich die, nachdem wir in Barcelona schlechte Erfahrungen gemacht haben. Dort waren die Busse so überfüllt, dass wir nach einer Stunde Wartezeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren sind. Anders in Kapstadt: Für 170 Rand pro Person (13 Euro) kaufen wir an der Waterfront unsere Tickets und dürfen damit einen Tag die rote und blaue Route fahren. Zusätzlich kann man noch die gelbe Linie – die eine halbstündige Tour in der Innenstadt fährt – benutzen. Die rote Linie fährt im Stadtgebiet und unter anderem auch zur Talstation vom Tafelberg. Mit der blauen Route geht es nach außerhalb: Der Bus hält am Eingang zu einem Township, wo man sich einem Guide für einen Spaziergang anschließen kann. Außerdem wird auf der blauen Route das Weingut Constantia, der Botanischen Garten Kirstenbosch und World of Birds angefahren. Für 270 Rand (21 Euro) gibt es das Zweitages-Ticket. Wir haben die Bustouren als Stadtrundfahrt genutzt und uns einen guten Überblick verschafft. Wenn man nur begrenzt Zeit hat, sind die Busse eine gute Möglichkeit, um die Stadt zu erkunden. Den Audioguide gibt es auch in deutscher Sprache und wir haben uns hier noch den ein oder anderen Tipp für unseren Stadtspaziergang geholt.

Sightseeing-Bus Cape Town

Wieder an der Waterfront angekommen, lassen wir den Tag mit herrlicher Aussicht und gutem Essen ausklingen.

V&A Waterfront

V&A Waterfront

Den Besuch des Tafelbergs sollte man sich nicht für einen festen Tag vornehmen, weil es immer wieder vorkommt, dass Nebel über den Berg zieht. Die Kapstädter sprechen dann von einem Tischtuch, dem Tablecloth. Die Wetter-App und der Blick aus dem Fenster zeigen uns, dass es völlig klar ist, also geht es los Richtung Tafelberg. Es wird geraten, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (oder mit dem Sightseeing-Bus) zur Talstation zu fahren. Da wir dreimal umsteigen müssten, entscheiden wir uns doch für den Mietwagen. Wir finden heraus, dass man direkt an der Ecke Kloof Nek Road/Tafelberg Road parken kann, um dann mit der Buslinie 110 zur Talstation zu fahren. Natürlich könnte man von dort auch laufen, aber der Weg zur Talstation geht 1,5 km steil bergauf. Wir wollen schauen, ob es nicht weiter oben noch einen freien Parkplatz gibt und fahren letztendlich über die Talstation hinweg. Dort kann man die ganze Straße entlang frei parken und wir müssen nur ein kurzes Stück zur Station zurücklaufen. Tickets haben wir uns schon online besorgt – für umgerechnet 20 Euro. Das ist auf jeden Fall ratsam, denn die Schlange vor den Ticketschaltern ist, gerade bei gutem Wetter, ziemlich lang. Bei uns wird eine Stunde Wartezeit (mit Ticketkauf) angegeben. Obwohl wir unsere Tickets haben, müssen auch wir noch ca. 30 Minuten anstehen, bis es endlich auf den Berg geht. Auch wenn Sonnenschirme aufgestellt sind, lässt es sich nicht vermeiden, dass man auch mal in der Sonne stehen muss. Sprühnebeldüsen sorgen für eine angenehme Erfrischung während der Wartezeit.

Tafelberg Talstation

Hat man dann die Seilbahn erreicht, folgt eine Auffahrt mit Wow-Effekt. Die Aussicht ist klasse und die Bodenplatte dreht sich, sodass jeder in der Kabine den Ausblick genießen kann.

Seilbahn Tafelberg

Auf 1.000 m Höhe angekommen, bietet sich ein fantastischer Blick auf Kapstadt und den atlantischen Ozean.

Blick auf Kapstadt vom Tafelberg

Hier kann man den weiße Sandstrand und das türkisfarbene Wasser von Camps Bay bewundern.

Blick auf Camps Bay vom Tafelberg

Blick Richtung Kap-Halbinsel und Kap der guten Hoffnung:

Blick Richtung Kap der guten Hoffnung vom Tafelberg

Den 670 m hohen Lion’s Head kann man in anderthalb Stunden besteigen und eine 360°-Sicht genießen.

Blick auf den Lion's Head vom Tafelberg

Auf dem Tafelberg sehen wir das erste Mal Dassies (Klippschliefer), die uns an Murmeltiere erinnern. Es gibt mehrere Spazierwege, von denen der längste 45 Minuten dauert. Wir gehen noch ein Stück darüber hinaus und schauen uns den Wanderweg an, der durch die Platteklip-Schlucht zum Tafelberg führt. In gut 2 Stunden soll der steile Aufstieg zu schaffen sein. Das kommt auf die Liste für den nächsten Besuch. Bei Kaffee und Muffin aus dem Table Mountain Café saugen wir nochmal das einmalige Panorama in uns auf, bevor es wieder bergab geht.

Bergstation Tafelberg

Der Besuch des Tafelbergs ist ein Must-Do in Kapstadt! Hier noch einmal zusammengefasst ein paar Tipps:

  • auf das richtige Wetter achten
  • wenn möglich, die Karten vorab online buchen
  • an der Talstation vorbeifahren und dann nach einem Parkplatz suchen
  • Sonnenschutz nicht vergessen

Was wir gestern noch von oben bewundert haben, wird heute zu Fuß abgegrast. Der Stadtspaziergang, auf dem wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abklappern, steht auf dem Programm. Wir parken unseren Mietwagen für 30 Rand Tagesgebühr (2,30 Euro) auf dem Parkplatz Coledon Street/Canterbury Street. Auf der Canterbury Street 38 befindet sich auch schon unser erstes Ziel. In der Charly’s Bakery beginnen wir unseren Tag. Hier gibt es wunderbar ausgefallene, bunte Cupcakes und viele andere leckere Köstlichkeiten.

Charly's Bakery

Charly's Bakery

Frisch gestärkt stürzen wir uns in den geschichtlichen Teil unserer Tour im District Six Museum. Der mulitkulturelle sechste Bezirk wurde im Rahmen der Apartheid 1966 zu einem „Weißen-Viertel“ erklärt und in der Folge wurden die Häuser der Farbigen geräumt und abgerissen. Das Museum erzählt weniger die geschichtlichen Abläufe sondern ist vielmehr ein Erinnerungszentrum. Straßenschilder, Fotos und Erzählungen gedenken der Menschen, die hier gewohnt und ihr Zuhause verloren haben.

District Six Museum

Noch heute sind viele Teile des ehemaligen District Six unbebaut und so findet man mitten in der City verwucherte Grünflächen.

Über die Buitenkant Street geht es zum Castle of Good Hope. Dabei kommen wir am 200 Jahre alten Old Granary Gebäude vorbei.

Old Granary

Wir schauen uns das Castle of Good Hope nur von außen an, da uns das Militär-Museum im Inneren nicht interessiert. Für die Wachablösung um 12 Uhr sind wir leider zu spät dran.

Castle of Good Hope

Direkt neben der Festung liegt der Paradeplatz und die City Hall, von der aus Nelson Mandela direkt nach seiner Freilassung eine Rede ans Volk gehalten hat. Mittwochs und samstags soll es hier einen Markt geben.

Paradeplatz mit City Hall

Über die Darling Street gehts zur Adderley Street und zum Trafalgar Place. Die bunten Blumenstände sind seit Generationen in Familienbesitz. Die Auswahl ist riesig und die Preise sehr günstig. Wenn ich in Kapstadt wohnen würde, wäre ich hier jede Woche, um frische Blumen zu kaufen! 🙂

Blumenmarkt Trafalgar Place

Über die Shortmarket Street geht es zum bekannten Greenmarket Square. Auf dem ältesten Platz der Stadt wurde früher Gemüse verkauft; daher der Name. Nun sind hier unzählige Stände mit ziemlich ähnlichem Angebot zu finden: Holzschnitzereien, Schmuck, Lederwaren, Zeichnungen. Feilschen ist angesagt!

Greenmarket Square

Greenmarket Square

Danach drehen wir eine Runde auf der Long Street. Auf der bunten Straße im viktorianischen Stil sind jede Menge Shops, Cafès und Restaurants zu finden.

Long Street

Das Mama Africa auf der Long Street ist eine Institution mit landestypischem Essen und traditioneller Musik. Der nette Türsteher erklärt uns, dass man mindestes zwei Tage im Voraus einen Tisch reservieren muss und lässt uns einen kurzen Blick reinwerfen.

Mama Africa

Mama Africa

Auf der Long Street befindet sich auch der Pan African Market, in dem man sich verlaufen kann. Der laut schreiende Typ am Eingang, der einen bittet einzutreten, wirkt zwar etwas abschreckend, aber man sollte sich trotzdem trauen. 😉 Auf drei verwinkelten Etagen wird massenweise Kunsthandwerk angeboten und die mit Holzmasken vollgestopften Räume wirken schon ein bisschen beängstigend. Im oberen Stockwerk befindet sich eine tolle Galerie.

Pan African Market

Pan African Market

Nach unserem Abstecher auf der Long Street geht es die Shortmarket Street weiter bis zur Ecke Rose Street, ins Bo-Kaap Viertel. Auch Malaienviertel genannt, ist Bo-Kaap der älteste Stadtteil Kapstadts, der für seine kunterbunten Häuschen bekannt ist. Hier findet man auch die älteste Moschee Südafrikas, die Auwal Moschee.

Bo-Kaap

Bo-Kaap

Bo-Kaap

Durch Bo-Kaap zu spazieren sorgt einfach für gute Laune und selbst die Vespas stehen hier bunt aufgereiht auf der Straße. Wenn man dann noch die Wale Street bergauf geht, landet man beim Restaurant Biesmiellah und kann kapmalaiische Köstlichkeiten probieren. Wir kaufen uns im dazugehörigen Take-Away Samoosas (kleine Teigtaschen mit unterschiedlicher Füllung) und Koeksisters (ein süßes Gebäck, das mit Krapfen vergleichbar ist). Die Bedienung ist super freundlich und macht extra für uns vorab ein paar Koeksisters fertig, weil die eigentlich noch ziehen müssten. Für 4 Stück zahlen wir umgerechnet gerade einmal einen Euro.

Biesmiella in Bo-Kaap

Biesmiella in Bo-Kaap

Wir lassen das Bo-Kaap Viertel hinter uns und treffen wieder auf die Adderley Street, wo wir zur ältesten Kirche Südafrikas – der Groote Kerk (Große Kirche) – gehen. Leider schließt die Kirche schon um 14 Uhr und wir können sie nicht von Innen besichtigen.

Groote Kerk

Am Eingang der Groote Kerk am Church Square ist auf einem Mittelstreifen der Spin Street eine Bodenplatte zu finden, die an einen Eichenbaum erinnert unter dem früher Sklaven versteigert wurden.

Spin Street - Slave Tree

Spin Street - Slave Tree

Im Museum Slave Lodge nebenan wird über die Geschichte der Sklaverei am Kap informiert.

Slave Lodge Museum

In wenigen Schritten sind wir beim Parlamentsgelände, das sich am Beginn des Stadtparks Company’s Garden befindet. Vormittags kann man hier an kostenlosen Führungen teilnehmen.

Parlamentsgebäude

Parlamentsgebäude

Wir verlassen den Park kurz, um auf der Queen Victoria Street das Gerichtsgebäude zu fotografieren, vor dem zwei Bänke an die Apartheid erinnern. „Whites only“ und „Non-White only“ ist auf den Bänken zu lesen.

Gerichtsgebäude

Der Company’s Garden ist schön angelegt. Der große Rosengarten ist leider schon verblüht. Ein Gemüsegarten erinnert an den Ursprung des Kompaniegartens. Früher wurde hier Obst und Gemüse angebaut, um die Handelsschiffe zu versorgen. Die Sklavenglocke erinnert an die Sklaven, die hier gearbeitet haben. Ein idyllisches Café lädt zum Verweilen ein. Überall flitzen freche Eichhörnchen herum. Am Ende des Parks steht das South African Museum.

Company's Garden

Company's Garden

Vom Company’s Garden laufen wir wieder zur Long Street, wo in der Royale Eatery mit leckeren Burgern unser Stadtspaziergang zu Ende geht.

Schon den ganzen Nachmittag haben wir die Helikopter gehört, die dabei sind, ein Feuer auf dem Signal Hill zu löschen. Das ist zu dieser Jahreszeit leider keine Seltenheit.

Feuer auf dem Signal Hill

In der Longmarket Street kommen wir dann noch am Eastern Food Bazaar vorbei. Das wäre die preisgünstigere Alternative für ein Abendessen gewesen. Wobei Essen in Kapstadt, gerade für europäische Verhältnisse, immer sehr günstig ist.

Hier eine Karte unseres Stadtrundgangs:

Karte Stadtrundgang

Mit der Seilbahn auf den Tafelberg, zu Fuß durch Downtown und jetzt mit dem Boot nach Robben Island. Vom Nelson Mandela Gateway an der V&A Waterfront starten die Fähren zur Gefängnisinsel Robben Island. Da die Touren in der Hochsaison meist zwei Tage im Voraus ausgebucht sind, sollte man die Tickets rechtzeitig vorab kaufen, was auch über das Internet möglich ist. Die Tickets kosten umgerechnet 22 Euro pro Person.

Mit einiger Verspätung – wir sind halt in Südafrika 😉 – geht es endlich auf die Fähre. Die hat schon ein paar Jahre hinter sich und soll früher auch schon Gefangene auf die Insel gebracht haben. Und so wird die Überfahrt schon zu einem kleinen Erlebnis.

Fähre nach Robben Island

Es wird aber noch besser, denn die Aussicht auf den Tafelberg und Kapstadt ist fantastisch.

Kapstadt

Nach einer 45-minütigen Fährfahrt erreichen wir die 12 km vom Festland entfernte 5 Quadratkilometer große Insel, die seit 1999 zum Weltkulturerbe zählt.

Robben Island

Robben Island

Robben Island

Von Bord kommend wird man zu Bussen geführt, mit denen man über die Insel gefahren wird. Natürlich hat das Ganze etwas von Massenabfertigung, aber wie soll man den Ansturm sonst auch bewältigen? Die Tour ist sehr interessant und unser Guide spricht ein gut zu verstehendes Englisch. Es wird Rücksicht auf die Fotografen genommen und alle Sehenswürdigkeiten werden von beiden Seiten angefahren. Wir bekommen unter anderem den Kalksteinbruch gezeigt. Hier trafen sich die ehemaligen Gefangenen und legten zum Gedenken Steine nieder.

Steinbruch Robben Island

Steinbruch Robben Island

Bei einem Halt am südlichen Ende der Insel kann man den Blick auf Kapstadt und den Tafelberg bewundern.

Blick auf Kapstadt von Robben Island

Auf der Weiterfahrt bekommen wir das Village gezeigt, in dem ca. 120 Menschen leben, die auf der Insel arbeiten. Wir fahren die Garrison Church, Church of the Good Sheperd und die Kramat Moschee an. Eine Zeit lang wurden auch Leprakranke auf die Insel verbannt; daran erinnert der Lepra-Friedhof.

Nach der einstündigen Bustour werden wir an einen weiteren Guide übergeben, der uns zu Fuß über die eigentliche Gefängnisanlage führt. Ehemalige Gefangene führen diesen Teil der Tour durch, erzählen von ihrem Alltag und beantworten alle Fragen. Der Guide war leider nicht so gut zu verstehen.

Während des zweiten Teils wird man auch zu Mandelas Zelle geführt. 18 seiner 27 Jahre politischer Gefangenschaft hat er auf Robben Island verbracht.

Nelson Mandelas Gefängniszelle

Auf dem Weg zurück zum Hafen entdecken wir ein paar Pinguine, bevor es wieder auf die Fähre geht.

Pinguine auf Robben Island

Nach einer stürmischen Rückfahrt und vier Stunden später kommen wir wieder an der Waterfront an.

Ankunft an der V&A Waterfront

Kapstädter Lebensfreude

Und wieder einmal lassen wir einen ereignisreichen Tag in Kapstadt bei gutem Essen an der V&A Waterfront zu Ende gehen. Während unseres einmonatigen Aufenthalts in Kapstadt waren wir hier mehrmals in unterschiedlichen Restaurants essen und wurden nie enttäuscht.

V&A Waterfront

Fortsetzung folgt! Nach dem vielen Sightseeing gönnen wir uns im 3. Teil Erholung und Entspannung im Grootbos Private Nature Reserve.

Sicherheit

Haben wir uns auf unserem Stadtrundgang sicher gefühlt? Ja, und auch sonst überall! Wir haben einen Monat in Kapstadt verbracht und es ist nie zu einer gefährlichen oder brenzligen Situation gekommen. Natürlich muss man etwas vorsichtig sein. Ich habe keinen teuren Schmuck getragen und die Kamera nicht ständig um den Hals getragen, sondern sie in der Handtasche verstaut. Sobald es dunkel wird, sollte man nicht mehr alleine herumlaufen und lieber ein Taxi nehmen. Aber auch abends haben wir uns noch auf der Long Street und an der V&A Waterfront aufgehalten. Am Anfang ist es etwas ungewohnt, dass man sehr häufig angesprochen bzw. angebettelt wird. Es wird empfohlen, darauf nicht einzugehen.

Mehr über Kapstadt und Südafrika erfahrt ihr in den weiteren Reiseberichten:

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2 Kommentare

  1. Und wieder einmal hat mich dein Reisebericht mit den fantastischen Fotos für eine Abend in eine andere Welt versetzt. Es war beeindruckend und hat viel Spaß gemacht !

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