„Was macht man denn eine Woche in Johannesburg?“ wurden wir immer wieder gefragt, wenn wir erzählten, dass wir die erste Woche unseres zweimonatigen Südafrika-Roadtrips in der größten Stadt des Landes verbracht haben. Hier kommt die Antwort:

1. Apartheid Museum

In Kapstadt haben wir Robben Island besucht, die Gefängnisinsel auf der Nelson Mandela 18 seiner 27 Jahre in Haft verbracht hat. Hier in Johannesburg können wir uns noch eingehender mit dem Thema beschäftigen. Die Eintrittskarte für das Apartheid Museum entscheidet, dass ich nicht weiß bin und so gilt für mich ein anderer Weg als für Sven. Das ist der Beginn einer absolut interessanten und umfassenden Ausstellung zum Thema Rassentrennung. Wie kam es dazu, wie hat es sich im Alltag bemerkbar gemacht und wie wurde der Widerstand unterdrückt? Die gezeigten Videofilme sind für mich als kleines Sensibelchen kaum zu ertragen. Wir haben noch genug Zeit, um in Joburg weitere Museen und Originalschauplätze zu diesem Thema zu besuchen. Aber in dieser Ausstellung ist das Thema Apartheid komplett aufbereitet. Wenn man sich für die Geschichte des Landes interessiert, ist der Besuch ein Muss.

Infos zum Apartheid-Museum: www.apartheidmuseum.org

Wer nach dem Museumsbesuch etwas Ablenkung braucht, kann direkt gegenüber in den Themenpark Gold Reef City gehen. Dort soll es eine interessante Goldmine Underground Tour geben. Leider hat der Park bei unserem Besuch wegen schlechten Wetters geschlossen.

 

2. Fahrrad-Tour durch Soweto

Soweto (SOuth WEstern TOwnships) ist die größte Township-Siedlung Südafrikas und befindet sich etwa 15 km außerhalb von Johannesburg. Das Gebiet setzt sich aus 30 verschiedenen Townships zusammen und es wird vermutet, dass hier etwa 3 Mio. Menschen leben. Soweto öffnet sich für Touristen und so nehmen wir an einer Fahrrad-Tour mit sowetobicycletours.com teil. Lebo – Eigentümer und Local – führt uns auf einer genialen Tour durch seine Heimat. Es wird gesungen, getanzt und natürlich auch Rad gefahren, was in der südafrikanischen Mittagssonne nicht ganz ohne ist. Im ärmsten Viertel freuen sich die Kinder wahnsinnig über uns Radler. Wir werden herzlich empfangen und klatschen sie mit High Five ab. Als wir halten um Lebos Erklärungen zu lauschen, kommen die Kids an und klettern auf die Räder. Hier im schlimmsten Teil Sowetos sehen wir die zusammengezimmerten Wellblechhütten. Nur wenige Straßen weiter fahren wir durch eine reichere Gegend mit schönen Häusern mit Gärten und Garagen. Die Regel bilden aber kleine genormte 2 oder 3-Zimmer-Häuser.

Die Fahrrad Tour bietet nicht nur einen Einblick in das heutige Soweto, sondern informiert über das Thema Apartheid. Das Hector Pieterson Memorial erinnert an einen Schüler-Aufstand von 1976, bei dem der 13-jährige Hector Pieterson und über 500 weitere Menschen ihr Leben ließen. Protestiert wurde zunächst friedlich gegen die Einführung von Afrikaans als Unterrichtssprache und die Rassentrennung im Allgemeinen, bis die verängstigte Polizei das Feuer eröffnete. Auf der Vilakazi Street – dem noblen Teil von Soweto – machen wir Halt beim Nelson Mandela House. Hier lebte Mandela von 1946 bis 1962. Die Straße runter steht das noch bewohnte Haus von Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu, eine weitere wichtige Person im Kampf gegen die Apartheid.

 

3. Constitution Hill

Weitere schwere „Kost“ erwartet uns am Constitution Hill, dem Verfassungshügel. Nachdem wir im Apartheid Museum alles über Rassentrennung und den Kampf gegen den Widerstand erfahren haben, können wir hier einen Ort des Geschehens besichtigen. Wir schließen uns einer Tour an und werden zunächst durch das alte Gefängnis geführt. Unter anderem waren hier Mahatma Gandhi und Nelson Mandela inhaftiert. Mitten im Gefängnis zu stehen und mit anzuhören, wie unmenschlich die Gefangenen behandelt wurden, schlägt mir auf den Magen. Die Führung endet im Verfassungsgericht Südafrikas, das direkt neben dem Gefängnis aus alten Steinen desselben gebaut wurde. Da keine Verhandlungen stattfinden, können wir auch den Sitzungssaal besuchen.

Infos: www.constitutionhill.org.za

 

4. Neighbourgoods Market

An jedem Samstag findet im Stadtteil Braamfontein der Neighbourgoods Market statt. Auf dem Markt werden frische lokale Produkte angeboten und an den Food-Ständen werden Gericht aus aller Welt zubereitet. Auswahl und Stimmung sind gigantisch. Auf der Dachterrasse sitzen die Locals gemütlich und genießen ihre Drinks in der Sonne.

Infos: immer samstags, von 9-15 Uhr geöffnet, 73 Juta Street, Braamfontein, Joburg, www.neighbourgoodsmarket.co.za. Für 20 Rand (etwas mehr als 1 Euro) haben wir unbegrenzt im Parkhaus Arbour Square schräg gegenüber geparkt.

Neighbourgoods Market, Joburg

 

5. Liliesleaf

In Rivonia liegt die Liliesleaf Farm, die dem damals verbotenen ANC (African National Congress) als Versteck und Hauptquartier diente, bis es am 11.7.1963 von der Polizei gestürmt wurde. Das Gelände wurde zum offenen Museum umfunktioniert. Heute kann man das alte Farmhaus und die Nebengebäude besichtigen. Auch Nelson Mandela hat sich hier unter falschem Namen versteckt. Zugegeben: Zu Beginn des Besuchs bin ich etwas müde von der vielen Geschichte, aber zum Ende kann ich mich selbst nach zwei Stunden kaum losreißen. Die Ausstellung ist super interessant, vorallem weil man sich genau am Platz des Geschehens befindet. Die Videos mit den Interviews der ehemaligen Widerstandskämpfer und Polizisten fesseln mich. Außerdem wird über die große Flucht von vier Gefangenen berichtet, die hier festgenommen wurden. Man sollte mindestens 3 Stunden einplanen, auch wenn man sich das anfangs nicht so recht vorstellen kann. Es gibt auch ein Café.

Infos und Bilder teilweise von: www.liliesleaf.co.za

 

6. Top of Africa

Unser Spaziergang durch den Mine Walking District endet am Ghandi Square, mitten in Joburg. Ganz in der Nähe befindet sich das Calton Center, der höchste Wolkenkratzer Afrikas. Mit dem Fahrstuhl geht es in den 50. Stock. Aus 200 Meter Höhe kann man Johannesburg von oben per Rundumsicht bewundern. Wir fahren kurz vor dem Sonnenuntergang hinauf und können sehen wie die Lichter der Stadt langsam angehen. Der Aufzug befindet sich etwas versteckt in einem Einkaufszentrum. Der Eintritt kostet 15 Rand (weniger als einen Euro) und muss bar bezahlt werden. Die Adresse lautet: 150 Commissioner Street.

 

7. Ballonfahrt

Wer noch etwas Zeit hat und den Johannesburg-Besuch unvergesslich machen möchte, der sollte die 45 km nach Skeerpoort – nördlich von Joburg – auf sich nehmen und eine Bill Harrop’s Ballon Safari machen. Ganz sanft schweben wir über das Magalies River Valley in den Sonnenaufgang. Es ist einfach traumhaft! Die Ballonfahrt ist eine runde Sache: Mit Kaffee und Muffins werden wir noch im Dunklen empfangen, danach begrüßen wir aus einer ganz besonderen Perspektive den Tag, stoßen auf die butterweiche Landung mit Sekt an und im Anschluss gibt es auf dem wunderschönen Gelände ein großes Frühstück im Pavillion. Besser kann man einen Tag nicht beginnen!

Ballon Safari

 

Das sind meine 7 Highlights für Johannesburg. Wir haben noch viel mehr erlebt: Orlando Towers, Lion Park, SAB World of Beer, Mining District Walk, Nelson Mandela Centre of Memory, etc. – darüber kann man hier im Blog lesen.

Tourguide
Jimmy heißt unser Tourguide, der uns durch Johannesburg geführt hat. Er ist ein echtes Original, witzig, gebildet und menschlich sehr angenehm. Mit seinen 64 Jahren war er Teil dieser Zeit, über die wir uns an vielen Orten und Museen informieren. Und ein Besuch im Apartheid-Museum wird natürlich noch einmal viel interessanter mit einem Guide der Opfer dieser Rassentrennung wurde und über seine persönlichen Erfahrungen spricht. Touren mit Jimmy kann man direkt beim Tourismusbüro Johannesburg buchen.

Auf eigene Faust oder Zeigen-Tours
Wir sind in Johannesburg mit unserem Mietwagen auch auf eigene Faust losgezogen, wie zum Beispiel zum Neighbourgoods Market und zur Sandton City Mall am Nelson Mandela Square. Da unsere Tage aber ziemlich vollgepackt waren, haben wir uns oft fahren lassen. Mndeni von Zeigen-Tours hat uns mit seinem Kleinbus souverän durch die Stadt und den Verkehr geführt. Er war immer pünktlich und wir hatten dazu noch eine Menge Spaß. Vorteil ist natürlich, dass die Parkplatzsuche wegfällt, man aussteigt und einfach losläuft. Nach Soweto würde ich nur mit Guide fahren und auch sonst sollte man sich vorab informieren, welche Stadtteile in Joburg schon „bereit“ für Touristen sind und Townships eher meiden.

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