Von Kapstadt aus machen wir uns auf den Weg in das 400 km entfernte Gondwana Game Reserve bei Mossel Bay an der Garden Route. 2015 sind wir hier das erste Mal auf Safari gegangen. Zwischenzeitlich sind wir schon alte Safari-Hasen und waren in ganz Südafrika unterwegs, um die einzigartige Tierwelt zu bestaunen. In das Gondwana Game Reserve kehren wir für ein ganz besonderes Abenteurer zurück. Drei Nächte werden wir im Gondwana Tented Eco Camp in Zelten mitten in der Wildnis übernachten und das Game Reserve aus Ranger-Perspektive erleben.

Kaum haben wir das Gate passiert, werden wir von den ersten Zebras begrüßt.

Zebras im Gondwana Game Reserve
Wir erreichen die Main Lodge und werden herzlich von Ranger Brandon empfangen. Als unsere 10-köpfige Truppe komplett ist, werden unsere Koffer verladen und wir klettern in den Jeep. Eine halbe Stunde fahren wir durch die atemberaubende Landschaft des Gondwana Game Reserves, dann erreichen wir das Camp.

Fahrt zum Camp
Es besteht aus 5 Zelten, in denen die Gäste untergebracht sind. Ein Hauptzelt dient als Gemeinschaftsbereich, wo sich auch die Küche befindet und gemeinsam gegessen wird. Es gibt auch einen kleinen Pool und Hängematten.

Wir sind im Zelt Nummer 5 untergebracht. Es ist schön und funktional eingerichtet. Ein großes Bett bestimmt den ersten Teil des Zeltes, in dem noch Regale und zwei Korbsessel stehen. Der hintere Teil ist das Badezimmer mit Dusche und WC. Ein Heizboiler sorgt für Warmwasser. Steckdosen gibt es keine. Akkus kann man im Gemeinschaftszelt aufladen.

Die Terrasse mit Blick in den Busch ist natürlich das Highlight. Und während wir uns einen ersten Überblick verschaffen, kommt auch ein kleiner Kap-Greisbock vorbeigeschaut und will seine neuen Nachbarn kennenlernen.

Im Anschluss treffen wir uns alle zum Lunch. Es gibt frisch gegrillten Kudu-Burger und sogar eine kalte Cola light! Brandon stellt uns das Team vor. Es besteht aus ihm, seiner Frau Stevie und Abu. Außerdem schildert er den Ablauf der nächsten Tage und gibt uns Infos über das Camp. So z.B. über das Trinkwasser, das aus einem Brunnen gespeist wird. Dazu gehört leider auch die Mitteilung, dass handtellergroße Rain-Spiders regelmäßig am Abend die Zelte aufsuchen. Und damit sinkt meine Stimmung gewaltig. Die Spinnen sind zwar nicht giftig, können aber eine beachtliche Größe erreichen. Wir können sie selbst mit einem Ast aus dem Zimmer tragen. Lass mich kurz überlegen – ähm, nein!

Mit bleibt keine Zeit, länger darüber nachzudenken, denn wir starten zu unserer ersten Mission. Hier im Tented Eco Camp werden wir keine gewöhnlichen Game Drives unternehmen, sondern die Aufgaben der Ranger mit erledigen. Dabei lernen wir einen großen Teil des insgesamt 11 Hektar großen Wildreservats kennen.

Gondwana Game Reserve
Die anfallenden Arbeiten können ganz unterschiedlich sein. Heute beginnen wir mit dem Wechseln von Speicherkarten in Wildkameras.

Außerdem müssen wir die Giraffen suchen. In dem von Brandon vermuteten Areal befinden sich die Tiere allerdings nicht und nach einer langen, erfolglosen Suche fahren wir zurück ins Camp. Dort steigt uns schon der Duft von gegrilltem Fleisch in die Nase. Hmmm, lecker! Es gibt Hähnchenspieße und Lamm mit frisch gebackenem Topfbrot.

Abendessen im Camp
Im Anschluss sitzen wir am Lagerfeuer und lernen uns alle ein bisschen besser kennen. Und dann berichtet das erste Zelt von Spinnen. Ranger Abu kehrt wenig später mit einem Ast zurück auf dem zwei große Spinnen sitzen. Etwas später wagen auch wir uns in unser Zelt und glücklicherweise bekommen wir in dieser Nacht keinen Besuch.

Um 6:30 Uhr ertönt das Horn von Brandon geblasen, das ist der Weckruf. Um 7 Uhr versammeln wir uns in der Küche um zu frühstücken. Im Anschluss geht es raus. Unsere Mission für heute Vormittag lautet Löwen finden und eine SD-Karte an einer weniger gut erreichbaren Kamera zu tauschen.

Wir fahren also hinaus und mit Hilfe einer Antenne versuchen wir die Löwen zu orten, die einen Peilsender tragen. Das Signal schlägt aus und wir können die Löwen lokalisieren, allerdings nicht sehen, denn sie haben sich in ein dichtes Waldgebiet zurückgezogen. Wir werden am Nachmittag zu dieser Stelle zurückkehren.

Brandon versucht die Löwen zu orten
Im Anschluss machen wir ganz zufällig mehrere Tierbeobachtungen. Zunächst entdecken wir ein Elefantenweibchen mit einem zwei Jahre alten Jungtier. Die Mutter ist nicht so glücklich über unser Auftauchen und gibt uns deutlich zu verstehen, dass wir ein bisschen Abstand halten sollen. Also beobachten wir die beiden aus etwas Entfernung.

Die von uns am Vortag gesuchten Giraffen befinden sich in einem ganz anderen Gebiet als vermutet. Die Langhälse laufen uns in der Nähe der Hauptlodge bei den Kwena Huts über den Weg. In den runden reetgedeckten Häuser haben wir vor 2 Jahren übernachtet. Hier geht es zum Bericht.

Außerdem treffen wir noch auf eine Herde Gnus und Zebras, die Hippos lugen aus dem Wasser und an einem weiteren Wasserloch versammelt sich eine Herde Paviane. Ganz schön was los im Busch!

Im Anschluss fahren wir weit hinaus in ein mit Proteas zugewuchertes Gebiet, um dort die Speicherkarte der etwas schwer zu erreichenden Kamera auszutauschen und die Kamera selbst in eine bessere Position zu bringen.

Von 8 Uhr morgens bis 12 Uhr sind wir im Busch unterwegs. Zurück im Camp warten dann von Stevie zubereitete Wraps und Nudelsalat auf uns. Nach dem Essen werfen sich einige in die Hängematte, ich hole zunächst etwas Schlaf nach mit geöffneten Zelttüren und Blick in den Busch. Das ist mit Abstand der schönste und außergewöhnlichste Ort an dem ich jemals Mittagsschlaf gehalten habe.

Mitten in der Wildnis
Ach übrigens, Wlan gibt es hier nicht. Brandon hat uns schon in der Hauptlodge mit den Worten begrüßt, dass wir jetzt noch 10 Minuten Zeit haben, um unseren Lieben Adieu zu sagen. Nur sporadisch werden wir in der Main Lodge einkehren und kurz online sein. Heute waren wir dort auch 10 Minuten, um ein paar Lebensmittel abzuholen. Wir Suchtis finden schnell raus, dass wir auch etwas Netz erhaschen können, wenn wir mit dem Jeep auf höheren Bergen unterwegs sind. 😉 Grundsätzlich ist es aber eine ganz gute Erfahrung, nicht permanent erreichbar und online zu sein.

Am Nachmittag brechen wir auf, um zu der Stelle zurückzukehren, an der wir am Vormittag die Löwen lokalisiert haben. Dabei treffen wir erneut auf die Giraffen und auf zwei Nashörner. Bei einem Nashorn stellen wir eine Entzündung im Auge fest. Das müssen wir weiter beobachten.

Nashörner im Gondwana Game Reserve
Die Antenne schlägt aus und verrät uns, dass die Löwen sich hier ganz in der Nähe befinden müssen. Sehen können wir sie aber leider nicht. Bis ich plötzlich hinter einem Holzstapel etwas Rötliches entdecke. Da sitzt doch tatsächlich ein männlicher Löwe mit stolzer Mähne. Yippie, ich habe den Löwen gefunden! Yes! Gut, dass ich für heute Nachmittag den Platz in der obersten Reihe des Jeeps gewählt habe.

Löwe im Gondwana Game Reserve
Und hier unterscheidet sich unser Aufenthalt von einer gewöhnlichen Safari. Wir beobachten über einen längeren Zeitraum den Löwen, der sich bislang versteckt und nur schlecht zu sehen ist. Brandon hofft darauf, dass er hervorkommt und auch der Rest des Rudels – das sich in der Nähe befinden muss – zu ihm stößt. Er sagt den übrigen Rangern noch nicht Bescheid. Im Moment gibt es nicht viel zu sehen, vorallem für die vorderen Reihen. Es vergeht fast eine Stunde, bis Bewegung in die Sache kommt. Plötzlich tauchen die Jungtiere auf und auch die zwei Löwinnen gesellen sich dazu.

Glücklicherweise verlassen sie ihr Versteck und kommen direkt auf uns zu. So bekommen wir alle 8 Löwen des Reservats zu Gesicht – den 11-jährigen Löwen, zwei Löwinnen und 5 Cubs.

Löwenrudel im Gondwana Game Reserve
Es ist immer wieder ein Wahnsinns-Gefühl auf diese majestätischen Tiere in ihrem natürlichen Umfeld zu treffen! Durch die freie Sicht können wir jetzt wunderbar die Interaktion des Rudels beobachten.

Zeit den anderen Rangern Bescheid zu geben. Es dauert nicht lange, dann kommen die ersten Jeeps angefahren. Unser Job ist für heute erfüllt und wir werden mit einem traumhaften Sonnenuntergang belohnt!

Sonnenuntergang im Gondwana Game Reserve
Im Camp wartet ein leckeres Essen auf uns und nach einer weiteren netten Runde am Lagerfeuer machen wir uns auf den Weg Richtung Zelt.

Abendessen im Tented Eco Camp
Aber wie sind nicht allein. Schon auf der Veranda und an der Zeltwand krabbeln die Spinnen entlang. Eine wartet auch im Zelt auf uns. Och nee, der Tag hätte doch perfekt werden können. Abu ist zur Stelle, entfernt die Nervensägen und für mich folgt eine weitere unruhige Nacht, die um 6 Uhr mit Ertönen des Horns zu Ende geht.

Nach einem schnellen Kaffee geht es heute ohne Frühstück auf Tour. Kurz nach Sonnenaufgang herrscht eine ganz besondere Stimmung im Game Reserve. Unsere erste Aufgabe für den Tag besteht darin, den Kot einer bestimmten Elefantenherde zu untersuchen. Da die Tiere fast keine Verdauung haben, kann sehr gut analysiert werden, was sie gefressen und in welchen Bereichen des Game Reserves sie sich aufgehalten haben. Wir verbringen viel Zeit mit der 5-köpfigen Elefantenherde.

Zurück im Camp gibt es Frühstück. Und dann geht es auch schon los zur zweiten Hälfte des Vormittags. Wir müssen die Qualität einiger Wasserlöcher testen. Dafür nehmen wir Wasserproben. Und auch anhand der darin befindlichen Lebewesen kann man auf die Qualität des Wasser schließen. Mit kleinen Keschern ausgestattet, machen wir uns an die Arbeit. Es gilt Krabben, Fische, Kaulquappen und sonstiges Getier zu finden. Ich entdecke tatsächlich einen Wasser-Skorpion. Gestern Löwe, heute Wasser-Skorpion; nennt mich einfach das Auge! 😉

Tagsüber wird es Mitte Oktober schon ganz schön heiß. Die Sonne an den Wasserstellen hat gebrannt und ich gehe erst einmal duschen. Wegen der achtbeinigen Besucher mach ich das eh lieber tagsüber. Und danach legen wir etwas die Füße hoch. Zum Mittagessen gibt es typisch südafrikanische Boerewors (eine Art grobe Bratwurst). Hier erfahren wir auch unsere Aufgabe für den Nachmittag. Wir werden Bäume fällen. Puuh, ob „Ich habe gerade meine Haare gewaschen.“ als Ausrede gilt? Wohl eher nicht!

Zugegeben meine Begeisterung hält sich etwas in Grenzen, als wir am Nachmittag mit Stevie und jeder Menge Gerätschaften aufbrechen, um die Ausbreitung der Gold-Akazie (Golden Wattle) einzudämmen. Die australische Baumart hat sich hier ganz schön breit gemacht und stiehlt den übrigen Pflanzen das Wasser. Ziel des Game Reserves und des Eco Camps ist es, den Zustand herzustellen, der hier vor Hunderten von Jahren geherrscht hat. Die Gold-Akazie gehört nicht dazu.

Zusammen legen wir los und ringeln die Stämme. Das bedeutet, dass wir im unteren Teil des Baumes einen breiten Streifen der Rinde ringförmig entfernen. Normalerweise stirbt der Baum dann ab. Was sich nicht verlockend angehört hat, macht echt Spaß. So einen Baum zu fällen ist irgendwie eine ziemlich befriedigende Angelegenheit. Und Stevie hat noch Knabbereien und kalte Getränke dabei.

Ziemlich fertig, aber zufrieden treten wir die Fahrt zurück ins Camp an. Wir haben gut was geschafft und werden mit Hähnchen und Schweinesteak belohnt. Auch am letzten Abend sitzen wir gemütlich am Lagerfeuer, bis es sich nicht mehr aufschieben lässt. Ich darf vermelden: Keine Spinne im Zelt Nr. 5 am letzten Abend!

Rückkehr ins Camp
Der Vormittag steht noch einmal im Zeichen der Löwensuche, diesmal allerdings erfolglos. Wir erhalten noch nicht mal ein Signal. Wir checken nochmals das Auge des Nashorns, das heute schon viel besser aussieht und wechseln eine letzte Speicherkarte an einer Wildkamera – dann geht unsere Zeit zu Ende.

Abschied nehmen vom Gondwana Game Reserve
Frühstücken, Koffer packen, verladen und dann heißt es Abschied nehmen. Es fühlt sich tatsächlich so an, als ob wir eine Blase verlassen. Plötzlich hat uns die Realität und das Internet wieder! Ich bin auch ein bisschen stolz auf mich, dass ich an meine Grenzen gegangen bin und den Regenspinnen getrotzt habe. Tschüss Gondwana, auch unser zweiter Besuch hier wird mir immer in Erinnerung bleiben!

Hier noch ein paar hilfreiche Tipps für einen Aufenthalt im Gondwana Tented Eco Camp. Folgende Dinge solltet ihr unbedingt mitnehmen: geladene Akkus, Powerbanks, Moskitonetz, Solarlampe, Outdoor-Bekleidung, Kopfbedeckung, Sonnencreme und warme Kleidung für die Nächte. Im Oktober gingen die Temperaturen im Zelt nachts auf fast null Grad runter.

Über die N2 geht es zurück nach Kapstadt. In Swellendam machen wir eine kurze Pause. Das Städtchen ist sehr nett und der Stopp lohnt sich. Bei Bot Rivier verlassen wir die N2 und fahren Richtung Küste. Die R44 ist eine atemberaubende Küstenstraße, der wir bis nach Gordon’s Bay folgen. Dort gibt es übrigens das Ooskus – ein kleines Fish&Chips-Restaurant.

Auf der Küstenstraße R44 zurück nach Kapstadt
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